Alles eine Frage der Perspektive…

Als ich anfing in diesen Tagen an der Neugestaltung meiner privaten Homepage zu arbeiten, fragte ich mich, was mich im Moment am meisten bewegt. Und dabei kam ich auf den Satz: „Alles eines Frage der Perspektive“. Denn die Perspektive ist es, die sich in meinem Leben gerade sehr verändert hat. Ja, Veränderungen bringen einen Wechsel der Perspektive mit sich, gewollt oder ungewollt.

Die Veränderung meiner Perspektive ist durch den Verlust geprägt, den ich in diesem Jahr erleben musste. Verlust ist eine Situation, die Ängste erzeugt und die bearbeitet werden müssen. Ich habe den Verlust meiner Frau nach jahrelangem Krebsleiden zwar schon vorausgesehen, aber die Situation die dann tatsächlich eintrat, ist doch etwas anderes als das, was ich mir vorstellen konnte. Die Gefühle, die plötzlich aus dem Unterbewusstsein aufstiegen sind immer wieder überwältigend, und selbst wenn ich sie verdränge, latent da als ein Grundgefühl von Traurigkeit, das bei allem, was ich in diesem Jahr erlebt habe, stets mitschwingt.

Ich habe aktiv versucht, der Perspektive der Traurigkeit und des Verlustes zu begegnen. Dabei erlebte ich die klassischen Stufen der Trauerarbeit: Schock, Apathie, Depression und Annahme (Yorick Spiegel). Und je mehr ich versuchte, mit neuen starken Erlebnissen etwas dagegen zu setzen, je heftiger verstärkten sich die durch den Prozess bedingten Grundgefühle der genannten Stufen.

Oft komme ich mir dabei vor wie der berühmte Hamster in seinem Laufrad oder der Anrufer in einer Dauer-Endlosschleife. Immer wieder sind es die gleichen Gefühle, die meine Perspektive bestimmen:

  • Verletzung: Das Gefühl des Verletzt-seins. Eine offene Wunde klafft in meiner Seele und das zeigt sich auch durch eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber anderen, auch wenn sie gar nichts mit meinem Trauerprozess zu tun haben.
  • Hadern: ich hadere mit dem Schicksal, das mich nicht nur einmal in diesem Verlust getroffen hat, sondern mich immer wieder neu ereilt mit jedem neuen Verlust, den ich zu verarbeiten habe.
  • Kränkung: der Tod eines nahen Angehörigen ist eine enorme Kränkung, gegen die man sich absolut nicht wehren kann, dass sie endgültig ist, ähnlich wie die Trennung nach einer großen Liebe, die unwiederbringlich verloren ist.
  • Ungeduld: Wann hört dieses Leiden endlich auf? Ich möchte nicht mehr leiden! Wie viel Schönes habe ich in diesem Jahr versucht dagegen zu setzen, wie oft habe ich beschlossen, dem Leben noch einmal neu zu begegnen. Doch meine Ungeduld ähnelte dabei eher dem Trotz der Schockphase, die nicht wahrhaben wollte, was an Grundgefühlen immer noch in mir steckt – und führte am Ende zu noch mehr Verletzung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert